Handelt der Mensch nach eigenem oder göttlichem Willen? Was ist der Preis, wenn er sich von den göttlichen Gesetzen löst? Diesen Fragen widmet sich die Nacherzählung „Orpheus und Eurydike“. Sie basiert auf der Sage von dem Schriftsteller Werner Heiduzceks.

Orpheus ist kein Held, der alles gewonnen und nichts verloren hat. Er erlebt Erfolg dann Entsagung. Als die Liebe seines Lebens stirbt, will er sie selbst aus dem Totenreich wiederholen. Er steigt ohne göttliche Legitimation in die Unterwelt ab. Er – wie viele Menschen heute – ist der Annahme, dass der individuelle Wille der Schlüssel zum Erfolg ist. Der Preis ist hoch. Er  verliert die Geliebte erneut. Sein Wille ist nicht größer als die Naturgesetze von Leben und Tod. Etwas anderes aber gewinnt er. Er wird Mediator zwischen der Welt der Götter und Menschen.  Diese Vermittlung geschieht durch seine Musik.

Die Musik im Hörspiel wurde daher speziell herausgearbeitet. Als Sängerin habe ich in Ägypten mit Musikern gearbeitet. Zu jedem Kapitel gehören neue Liedimprovisationen, die auf klassischen oder orientalischen Liedern basieren. Teilweise wird die Musik genauso wichtig, wie die Erzählung.

Warum fanden die Aufnahmen in Ägypten statt? Theben als eine der Handlungsorte der Erzählung existierte als Ort in Griechenland wie in Ägypten. Beide Länder standen in engem Austausch über das Mystische. Das Theben in Ägypten heißt heute Luxor. Dort nahm ich die Erzählung über fast drei Monate im Winter 2016 auf. Luxor war ein zentraler Ort für die Kommunikation zwischen Jenseits und Diesseits des Neuen Reiches im Altägypten.

Orpheus zeigt, dass sich Erfahrungen durch die Stimme vermitteln lassen. Es ist nicht immer wichtig, etwa zu benennen, sondern es benennt sich selbst, wenn es tief gefühlt ist.

Die Aufnahmen und Tonzusammenstellung erfolgte durch mich (Malea Birke). Überarbeitet wurden die Aufnahmen von dem Tontechniker Sebastian Kleinloh 2017. Bitte beachten Sie, dass es sich um eine Laienherstellung handelt.